12. April 2021
Beitrag als Gemeinderätin von Tafers
DIE GEISTER, DIE ICH RIEF
«HOME!!!» Nie hätte ich gedacht, dass dieses Wort einmal so viel Raum in meinem Leben einnehmen würde. Schaue ich auf das vergangene Corona-Jahr zurück, dann war es geprägt von ganz viel «HOME».
Ich arbeite von zu Hause aus. Ich unterrichtete von zu Hause aus. Ich pflegte meine Freundschaften von zu Hause aus. Und ich führte meinen Wahlkampf von zu Hause aus. Ich lebe ein privilegiertes Leben in einem Haus mit Garten, umgeben von Apfelbäumen und Kühen. Ich wohne an einem Ort, den meine Freunde in der Stadt «Naherholungszone» nennen. An einem Ort, der seit dem 1. Januar 2021 zur fusionierten Gemeinde Tafers gehört. An einem Ort, dessen Entwicklung ich als neu gewählte Gemeinderätin mitgestalten darf.
«HOME SWEET HOME»
Probezeit bestanden
Am 4. Januar 2021 hat sich der Gemeinderat der fusionierten Gemeinde Tafers zur ersten Sitzung getroffen. Meine Kolleginnen und Kollegen fanden, dass ich - als einziges neues Mitglied - mein Wunschressort wählen dürfe. Ohne zu zögern und mit grosser Dankbarkeit sagte ich: Kultur, Sport, Jugend und Freizeit. Seither sind drei Monate vergangen.
Wäre dies ein normaler Job, hätte ich jetzt die Probezeit bestanden. Oder auch nicht. Wäre dies ein normaler Job, würden meine Vorgesetzten spätestens jetzt ein ernstes Gespräch mit mir führen. Oder auch nicht. Gemeinderätin zu sein, ist aber mehr, als ein normaler Job. Gewählt vom Volk. Hineinkatapultiert in eine völlig unbekannt Organisation mit unbekannten Prozessen. Konfrontiert mit Fragen, auf die man keine Antwort weiss und Aufgaben, die man noch nie zuvor lösen musste. Gezwungen, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die man kaum kennt. Gewillt, das Beste zu geben, um diesen Job so gut wie nur möglich zu erledigen.
Was bisher geschah
Seit dem 4. Januar 2021 habe ich etwa eine Million Seiten an Reglementen und Projektbeschrieben gelesen, mich durch unfassbar viele Budgetposten gekämpft und viele Gespräche mit Menschen aus der Verwaltung und der Bevölkerung geführt. Ich habe mich mit unverständlichem Beamtendeutsch und einem etwas in die Jahre gekommenen IT-System herumgeschlagen. Ich konnte meine vier Kommissionen mit engagierten Menschen besetzen und habe bereits ein paar Visionen und Konzepte ausgebrütet, die ich bald meinen Ratskolleginnen und Ratskollegen präsentieren werde.
Nach etwas mehr als drei Monaten lautet mein Fazit: Wow - Da kommt richtig viel Arbeit auf mich zu! Wow - Ich darf mit ganz wunderbaren, kompetenten und engagierten Menschen zusammenarbeiten. Wow - Ich lerne so viel Neues und kann mich mit Themen und Dingen auseinandersetzen, von denen ich (noch) nichts weiss. Wow - Ich glaube, die Geister, die ich letztes Jahr aus dem Homeoffice rief, gehören zu den guten.
«es sind gute geister!»
Ende der Schonfrist
Nun ist es bereits April. Corona wütet immer noch und lässt all die persönlichen und informellen Begegnungen, die so wichtig wären, nicht zu. Trotz allen Widrigkeiten neigt sich die Schonfrist langsam dem Ende zu. Ich merke, wie das Ganze Fahrt aufnimmt. Der Kalender füllt sich mit Terminen. Die Mailbox mit Anfragen und Ideen. Und ich fühle mich bereit und motiviert, all die Herausforderungen anzunehmen, die dieses Amt an mich stellen wird.