1. Juli 2019
Grusswort als Präsidentin des Elternrats

Ein dreifaches Hoch auf die Freiwilligenarbeit

Ich sitze an meinem Computer und überlege mir, was ich denn jetzt schreiben soll. Spontan fällt mir nichts ein und ich spicke ein bisschen, indem ich die Vorworte der letzten Informationsbroschüren nachlese, die ich, seit meine Tochter in St. Antoni zur Schule geht, aufbewahre. Ich schaue aus dem Fenster und lasse die letzten zwölf Monate vor meinem inneren Auge Revue passieren. Und da ist er auf einmal. Der rote Faden, der sich durch das ganze letzte Jahr zieht. Der rote Faden heisst «Freiwilligenarbeit». 


Ich durfte dieses Jahr viele Veranstaltungen besuchen, die ohne diese Freiwilligenarbeit nicht hätten durchgeführt werden können. Da sind zum Beispiel die wundervollen Skitage im Schwarzsee. Ich danke allen Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, die extra frei genommen haben, um die Kinder zu begleiten. Leiterinnen und Leitern, die ängstlicheren Kindern gut zuredeten und ihnen sagten: Du kannst das! Und dann mit ihnen die Kaiseregg runterflitzten. Ich denke an die Vorbereitungen für die Erstkommunion und Firmung. Eltern, Lehrer, Pfarrer und Katechetinnen haben sich zusammengetan, um die Kinder auf ihr grosses Fest vorzubereiten. Begleitet wurden sie von mehreren Messdienern, vom gemischten Chor, der Dorfmusik und den Landfrauen, die sich extra in ihre wunderschöne Tracht geworfen hatten. Sie allen trugen dazu bei, unseren Kindern und ihren Familien einen unvergesslichen Tag zu bescheren. Ich erinnere mich an die Generalversammlung der Raiffeisen Freiburg Ost. Auf die über 1000 Gäste waren gefühlt 1000 freiwillige Helfer im Einsatz und machten diesen Abend zu einem, den man so bald nicht vergessen wird. Das Feldschiessen ist einer der grössten Anlässe im Sensebezirk. Während mehreren Tagen war ganz St. Antoni auf den Beinen. Gross und Klein haben angepackt und mitgeholfen, diesen Grossanlass durchzuführen. In diesem Jahr hat meine Tochter gelernt zu Jassen, Kartoffeln zu pflanzen und wie Käfer und Maden den Kompost zersetzen. 

Sowohl die Jassnachmittage als auch der Schulgarten leben von Menschen, die dazu bereit sind, ein paar Stunden ihrer wertvollen Zeit für etwas zu opfern, für das sie kein Geld erhalten. Ich denke an die Infoveranstaltungen und an die Abstimmung zur Gemeindefusion zurück. Während Jahren haben diverse Arbeitsgruppen Stunden und Stunden in dieses Projekt gesteckt. Ich freue mich sehr, dass sich ihre Arbeit gelohnt hat. Eine Arbeit, die wichtig und richtig ist und viel zu wenig geschätzt wird. Das Herz meiner Tochter schlägt für das Geräteturnen. Ich selbst habe viele Jahre lang Volleyball gespielt und mit der Turnerei eigentlich nichts am Hut. In diesem Jahr hat sich mir eine neue Welt aufgetan. Zusammen mit ihrem Team besuchte ich das Eidgenössische Turnfest in Aarau. Über 20'000 Kinder und Jugendliche massen sich in Disziplinen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Die Dimensionen dieses Megaanlasses lassen erahnen, warum er nur alle sechs Jahre durchgeführt werden kann. Es müssen tausende von Menschen bei der Planung und Durchführung involviert gewesen sein. Ende Juni durfte ich das Musical der 9. Klasse der OS Tafers besuchen. Mein Göttibub stand in der Mitte und sang, als gäbe es kein morgen mehr. Der Aufwand, das Engagement, die Qualität und das Herzblut, welches die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrpersonen an den Tag legten, haben mich zu Tränen gerührt. 

«Mein Göttibub sang, als gäbe es kein morgen mehr.»


Am 28. Juni fand schliesslich das traditionelle Schulfest statt. Zum ersten Mal unter der Leitung des im letzten Jahr gegründeten Elternrates. Und wie jedes Jahr standen ganz viele freiwillige Helferinnen und Helfer auf der Matte, die diesen Anlass über Wochen geplant und schliesslich durchgeführt haben. Ein Fest, welches für unsere Kinder - aber auch für uns Eltern und das Lehrerteam - den Abschluss eines sich zu Ende neigenden Schuljahres bedeutet. Ich denke an die Jublaner. Junge, engagierte und verantwortungsvolle Menschen, die gratis und franko diverse Anlässe und ein wundervolles Lager auf die Beine stellen. Ich schaue zurück und denke an die vielen Male, in denen meine Eltern eingesprungen sind, um für uns zu kochen, den Rasen zu mähen oder unsere Tochter irgendwohin zu fahren.


Ich verneige mich
Wenn ich also über dieses letzte Jahr nachdenke, dann bleibt mir nur eines zu tun: Ich ziehe den Hut! Vor all den Menschen, die dazu bereit sind, sich freiwillig und unentgeltlich zu engagieren. Menschen, ohne die weder eine Schule noch eine Gemeinde noch ein Verein noch ein Elternrat funktionieren würde. Albert Schweizer sagte: «Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen, es ist die einzige.» Ohne sich dessen bewusst zu sein, vermitteln all die Menschen, die in irgendeinem Bereich Freiwilligenarbeit leisten, unseren Kindern Werte, ohne die eine Gemeinschaft nicht funktionieren würde. Hilfsbereitschaft. Grosszügigkeit. Respekt. Nächstenliebe. Toleranz. Rücksicht. Zivil Courage. Werte, die in meinen Augen zu den wichtigsten überhaupt gehören.


Ich freue mich sehr darüber, dass ich zum Elternrat gehören darf. Einem Team, welches aus Menschen besteht, die der Allgemeinheit etwas vom Wertvollsten schenken, das sie haben. Ihre Zeit! Sie zu kennen, bereichert mein Leben und ist der eigentliche Lohn für meine ganz persönliche Freiwilligenarbeit.