15. Juli 2021
Grusswort als Präsidentin des Elternrats

WIR KÖNNEN CORONA! kÖNNEN WIR?

Vor einem Jahr atmete die Schweiz erleichtert auf. Die Nation war sich einig: «Wir können Corona!» Drei Monate später merkten wir: «Falsch gedacht!» Die letzten Monate waren geprägt von Schutzmassnahmen im Kampf gegen dieses fiese Virus. Während ein paar von uns in Trainerhosen im Homeoffice ihre Arbeit erledigten und fast täglich neue digitale Tools kennenlernten, mussten andere ihren Job temporär an den Nagel hängen, um ihre Existenz bangen oder wie die Irren im Detailhandel, in der Pflege, in der Logistik oder im Bildungswesen arbeiten.


Heute - ein Jahr später - fühlt es sich für mich an, als würden wir aus einer Art Dornröschenschlaf erwachen. Und wie im echten Leben, gibt es die Morgenmuffel, die etwas Zeit brauchen, um in Fahrt zu kommen. Skeptisch und missmutig schauen sie auf den vor ihnen liegende Tag. Und es gibt die, die fit wie ein Turnschuh aus dem Bett hüpfen und sich subito und voller Tatendrang den Herausforderungen des Alltags stellen. Manche von uns sind froh, aus dem Corona-Halbschlaf erwacht zu sein und stürzen sich glückselig ins Leben. Andere fühlen sich ob der steigenden Fallzahlen wie gelähmt und fürchten sich vor einer nächsten Welle. 

«dIE kINDER VERBRACHTEN 5,2 sTUNDEN MIT cOMPUTERSPIELEN UND AUF SOZIALEN NETZWERKEN.»


Flexibel und kreativ

Neulich las ich, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland während Corona pro Tag mehr als 3 Stunden weniger als zu normalen Zeiten gelernt haben. Dafür verbrachten sie durchschnittlich 5,2 Stunden mit Computerspielen und auf den sozialen Netzwerken. Gleichzeitig stieg die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt um sechs Prozent. 158’477 Fälle wurden bei der Polizei gemeldet. Die Dunkelziffer lässt Schreckliches erahnen. Unsere Kinder durften (bis auf ein paar wenige Ausnahmen) IMMER zur Schule. Möglich machten dies die umsichtige Politik unserer Behörden sowie engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Flexibel, kreativ und mit einem gesunden Pragmatismus hielten sie den Schulbetrieb am Laufen. Schafften es, für unsere Kinder etwas Normalität in diese alles andere als normale Zeit zu bringen. Die Kinder durften ihre fachlichen Kompetenzen fördern und ihre sozialen Kontakte pflegen. Mit Blick nach Deutschland erfüllt mich dies mit grosser Dankbarkeit. An dieser Stelle ein herzliches Merci an die Schulleitung und das ganze Lehrerteam.


Zuversichtlich und geduldig

Skilager, zweitägige Schulreisen, Abschlussparties. All diese unvergesslichen und für unsere Kinder so wichtigen Anlässe konnten auch 2021 nicht durchgeführt werden. Der Elternrat konnte weder das Lehrerteam zum traditionellen gemeinsamen Essen einladen, noch den Kindern mit einem speziellen Projekttag eine Freude bereiten, noch das Schulfest durchführen. Ich bedaure das sehr. Gleichzeitig schaue ich zuversichtlich aufs Schuljahr 2021|2022. Ich glaube fest daran, dass wir uns den Dornröschenschlaf langsam aus den Augen reiben können. Ich hoffe, dass wir - egal ob wir zu den Morgenmuffeln oder zu den Morgenmenschen gehören - bald wieder zurück ins Leben finden werden. Wir haben in den letzten 18 Monaten viel gelernt. Über uns. Über unsere Mitmenschen. Über unser politisches und wirtschaftliches System. Über Bildung, Medien, Digitalisierung und fehlende Kontakte. Ich wünsche mir, dass wir geduldig und flexibel mit den vor uns liegenden Herausforderungen umgehen werden. Dass wir das Gute der letzten Monate bewahren, das weniger Gute hinter uns lassen und am 1. Juli 2022 gemeinsam ein unvergessliches Schulfest feiern können.